Chord Electronics – wenn Technik ihren eigenen Weg geht
27. August 2026 · Milan Weber
In der Welt des High-End-Audios gibt es Firmen, die an Traditionen anknüpfen möchten. Und dann gibt es Unternehmen, die von Anfang an ihren eigenen Weg gehen. Chord Electronics gehört eindeutig zur zweiten Gruppe.
Es ist eine Marke, die man fast sofort erkennt. Nicht nur am Design, sondern vor allem an ihrer Denkweise. Chord wirkte nie wie ein Unternehmen, das beobachtet, was andere gerade machen, und seine Produkte danach ausrichtet. Im Gegenteil. Die Firma entwickelt häufig Lösungen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich, manchmal sogar kontrovers erscheinen, technisch jedoch fast immer sehr durchdacht sind.
Und genau das gefällt mir an diesem britischen Unternehmen.
Der eigene Weg
Chord Electronics wurde 1989 von John Franks gegründet. Von Beginn an konzentrierte sich das Unternehmen stark auf eigene technische Lösungen und entwickelte nach und nach eine sehr charakteristische Konstruktionsphilosophie.
Eine besondere Rolle in der Geschichte der Marke spielt die Digitaltechnik. Die Zusammenarbeit von Chord Electronics mit Rob Watts führte zu einem eigenen Ansatz bei der Digital-Analog-Wandlung, der sich grundlegend von der üblichen Verwendung fertiger Wandlerchips unterscheidet.
Das Ergebnis sind Geräte mit einer eigenen technischen und klanglichen Identität.
Aber Technik an sich hat mich nie besonders interessiert.
Sie kann noch so kompliziert sein, Tausende Bauteile enthalten und der Hersteller kann Dutzende Seiten darüber schreiben. Am Ende ist für mich nur eine Sache entscheidend:
Was passiert, wenn ich Musik abspiele?
Detail ist nicht alles
Bei digitalem Klang wird oft über Auflösung, Details, Dynamik oder Präzision gesprochen. All das ist wichtig. Aber die bloße Menge an Details macht noch keine Musik.
Ein gutes digitales Gerät sollte meiner Meinung nach den Hörer nicht ständig darauf aufmerksam machen, wie technisch perfekt es ist. Es sollte einen nicht dazu zwingen, den Wandler, den Filter oder die Aufnahmetechnik zu hören.
Es sollte nach und nach verschwinden.
Und die Musik sollte bleiben.
Genau hier sehe ich eine der interessantesten Eigenschaften der besten Geräte von Chord. Sie können eine außergewöhnliche Menge an Informationen liefern, doch ihr eigentlicher Sinn zeigt sich erst dann, wenn diese Informationen Raum, Rhythmus, Klangfarben der Instrumente und vor allem Emotion entstehen lassen.
High-End aus meiner Sicht
Chord Electronics ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, was High-End für mich bedeutet.
High-End ist nicht automatisch das teuerste Gerät im Raum. Es geht nicht um die Zahl der Kilogramm, die Größe des Gehäuses oder die Länge der technischen Datenliste.
Es ist vor allem das Bestreben, die Musikwiedergabe weiterzubringen.
Manchmal mit traditionellen Lösungen. Manchmal auf einem völlig anderen Weg.
Chord hat sich für den zweiten entschieden.
Und vielleicht hat die Marke gerade deshalb heute eine so besondere Stellung in der High-End-Welt. Ihre Produkte müssen nicht für jeden sein. Ihr Design muss nicht jedem gefallen. Aber eines kann man ihr kaum absprechen:
Sie hat eine eigene Vorstellung davon, wie Musik wiedergegeben werden sollte.
Und in einer Welt, in der sich viele Produkte immer ähnlicher werden, ist eine eigene Haltung zunehmend selten.
Milan Weber
